ST. PETERSBURG: ZARENSCHLOSS UND PLATTENBAU

Unsere Chorreise nach St. Petersburg 1998 – von Rosemarie Pritzkat

 

Sonne und auf der Newa letzte Eisschollen aus dem Ladogasee – so präsentierte sich uns St. Petersburg eine ganze Woche lang.

Die russischen Knabenchorfamilien im Plattenbaugebiet warteten schon auf ihre deutschen Gäste und manch einer unserer Jungs fühlte sich noch ein wenig unbehaglich, aber am nächsten Morgen war die Stimmung umgeschlagen: die russische Gastfreundschaft hatte gesiegt, Sprachbarrieren wurden mit Fürsorge wettgemacht.

 

 

 

„Die wichtigste Erfahrung für unsere Knaben im fremden Russland war, dass es viel Wichtigeres gibt als materiellen Reichtum: Gastfreundschaft,
Menschlichkeit, Herzlichkeit.“

Es war ungewohnt eng in den Familien. Die russischen Wohnungen sind winzig und bestehen oft nur aus zwei Zimmern, von denen selbstverständlich eins den Gästen gegeben wird. Gefrühstückt wird wegen der Enge nacheinander. Die wichtigste Erfahrung für unsere Knaben im fremden Russland war, dass es viel Wichtigeres gibt, als materiellen Reichtum: Gastfreundschaft, Menschlichkeit, Herzlichkeit.

In fröhlicher Stimmung wurde die von Zar Peter errichtete maritime Stadt mit dem Bus erkundet. Unbeschreiblich der Gegensatz der prächtigen Fassaden und Paläste zu den tristen Wohnvierteln. Neben Metrofahrten unterhalb des St. Petersburger Sumpfgebiets, den Fahrten mit dem Trolleybus, dessen Fahrer nach dem Hineinquetschen des gesamten Knabenchors in volle Wagen die Fahrt kurzerhand zur Sonderfahrt erklärte, faszinierte uns ein Straßenbahnfahrer, der für den Chor einfach eine Weiche umstellte und auf dem Gegengleis kehrtmachte, um uns direkt zu unserem Ziel zu fahren…

Überwältigt waren wir von den glanzvollen Zarenschlössern Peterhof und Katharinenhof. Traurige Eindrücke hinterließ der Besuch der Weltkriegsgedenkstätte mit den 600 000 Gräbern aus den Jahren 1941-1944. Die russische Fremdenführerin war tief gerührt, dass wir mit dem Anstimmen eines russischen Liedes Blumen niederlegten.

Große Begeisterung weckte das Konzert beider Knabenchöre mit russischer und deutscher Musik im Smolny Sobor, dem zu einem großen Konzertsaal umgebauten Kloster. Weitere Konzerte gaben wir vor Chorleitern im Kunstpalast, in der deutschen Kirche und der Geistlichen Akademie, in der die Freude über die hellen Knabenstimmen und die deutsche Musik groß war. Die Knaben wurden umjubelt, ihre Singtechnik bewundert, Zugaben verlangt, Autogramme erbeten.

Am Ende der Reise: ein deutsch-russisches Knabenchor-Fußballspiel! Dies führte zur Freude unserer Junges zum Sieg der deutschen Mannschaft.

Zur Abschiedsfeier im Haus der jungen Künstler zeigte allerdings die russische Mannschaft den deutschen Gästen noch einmal ihre wahren Künste. Hier bekommen Jugendliche ein kulturelles Angebot, das mit Töpfern, Malen, Bildhauerei, Tanz, Chor-, Instrumentalunterricht und Disco weit gefächert ist. Der Abschied fiel schwer, schnell wurden noch Adressen getauscht, morgens am Flughafen gewinkt und Tränen verwischt…

Dank an die Eltern des russischen Knabenchores „Funke“, Dank dem Hamburger Senat für die Unterstützung der Reise und Dank all denjenigen, die unsere russischen Gäste im Herbst ebenfalls beherbergt hatten. Eines steht fest: dies muss eine Dauerfreundschaft werden!

„Die Knaben wurden umjubelt, ihre Singtechnik bewundert, Zugaben verlangt, Autogramme erbeten.“

By | 2017-02-22T00:16:28+00:00 25. März 1998|Categories: Archiv, Berichte, Reisen|Tags: , , , , |0 Comments