VOM „BUFFEN“ UND „STÜTZEN“

Englandreise vom 29. Juni bis 6. Juli 1997 –
von Tammo Kaulbarsch, Tenor

 

Für einige war es die erste große Reise mit dem Chor, für manche der Kinder die erste Flugreise überhaupt, als der Hamburger Knabenchor am 29. Juni mit Umweg über Frankfurt nach Birmingham flog.
Nach der Ankunft in Birmingham brachte uns ein Bus für die ersten beiden Übernachtungen zur Jugendherberge nach Stratford upon Avon. Das Bettenbeziehen warf einige bis heute ungeklärte Fragen auf: Ist das jetzt ein Spannlaken oder ein Spannbezug? Nach dem warmen Abendessen hielt die Knaben nichts mehr auf: Die Wiese vor dem Haus lud zum „Buffen“ ein (Fußballspielen).
Am nächsten Nachmittag besuchten wir das Schmetterlingsmuseum in Stratford. Dort gab es auch Spinnen, Schlangen und Frösche, die wir voller Bewunderung und Ekel über die Hand krabbeln lassen durften. Am Abend sangen wir vor begeisterten Zuschauern in der Kirche, in der Shakespeare zur Ruhe gebettet liegt, unser erstes Konzert.
Am 1. Juli zogen wir ins Kennedy-Haus nach Coventry um – in unmittelbare Nähe der Coventry Cathedral. Von hier aus fuhren wir zu unseren weiteren Auftrittsorten in Kenilworth, in Rugby und in Leamington Spa. Dort konnten wir – teils wegen ungünstiger Akustik, teils wegen mangelnder „Stütze“ (Sängerausdruck) aufgrund allzu begeisterter Buffpartien – leider nicht mehr ganz an das Stratfordkonzert anknüpfen.

Am konzertfreien Mittwoch besuchten wir das Warwick Castle. Die mittelalterliche Burganlage begeisterte uns.
Mit den Konzerten in Rugby und Leamington Spa war der anstrengendste Teil der Reise vorbei. Aufgrund der besonderen Partnerschaft zwischen der Coventry Cathedral und St. Nikolai feierten wir am Sonnabend unter der Leitung von Reverend Paul Oestreicher ein Open-Air-Abendmahl in der Ruine der alten Kathedrale.

Am Sonntag durften wir neben dem Cathedral-Choir den Gottesdienst mitgestalten. Wir sangen „Alta Trinita” und den „roten Bach” (genannt nach der Farbe des Notenheftumschlags: „Wachet auf, ruft uns die Stimme” von Johann Christoph  Friedrich Bach). Mit Glanz und einem sehr gelungenem „Gloria” ging unser letzter Auftritt zu Ende. Nachdem wir mit dem Coventry-Cathedral-Choir Geschenke getauscht hatten, mussten wir sofort die Heimreise antreten.
Ich danke besonders den Kindern, die meine erste Konzerttour mit dem Knabenchor zu einem großen Erlebnis werden ließen.

By | 2017-02-22T00:16:28+00:00 7. Juni 1997|Categories: Archiv, Berichte, Reisen|Tags: , , , , |0 Comments