Hamburger Knabenchor als Sonderbotschafter in Japan

Wohlauf und erfüllt sind mit einer der letzten Maschinen vor Eintreffen des Taifuns Haigidis die jungen Sänger des Hamburg Knabenchores von ihrer unvergesslichen Konzertreise aus Japan zurückgekehrt. Dem Auftrag und Anspruch, als Botschafter deutscher Musikkultur und Aushängeschild der Hansestadt in Japan im Sinne der Völkerverständigung zu wirken, sind die Sänger bei vielen Konzerten und persönlichen Begegnungen gerecht geworden.

„So schön ist die Hymne in dieser Botschaft noch nie gesungen worden“, freute sich die designierte Botschafterin in Tokio Ina Lepel nach dem Auftritt des Chores in der Deutschen Botschaft in Tokio zum Jahrestag der Deutschen Einheit. Der Auftritt in der deutschen Botschaft vor über 800 geladenen Gästen bildete den Auftakt der zwölftägigen Konzerttournee durch Japan. Auch Generalkonsul Dr. Werner Kohler zeigte sich einige Tage später im Rathaus von Osaka sehr erfreut über die Darbietung des Chores und lobte die Sänger als Botschafter deutscher Kultur.

Neben den offiziellen Auftritten und zwei großen Konzerten ergaben sich dank der umfassenden Unterstützung bei der Umsetzung der Reise durch die Präsidentin der Deutsch-Japanischen Gesellschaft, Frau Hashimaru-Shigemitsu, sowie den Musikern des Tokai Master Orchester aus Nagoya vielfältige Begegnungen und Gelegenheiten zum gemeinsamen Musizieren mit japanischen Schülern sowie Musikern in den Städten Tokio, Osaka und Nagoya. Besichtigungen von wichtigen Kulturstätten sowie Übernachtungen und Verpflegung im landestypischen Stil eröffneten den Sängern darüber hinaus einen sehr guten Einblick in die japanische Alltagskultur.

Kirchenmusikdirektorin Rosemarie Pritzkat hat ihre Jungs bereits in verschiedenste Länder Europas und Übersee geführt, aber noch nie zuvor nach Japan. Anlass dazu bot unter anderem die Feier der dreißigjährigen Städtepartnerschaft von Osaka und Hamburg in diesem Jahr. So durfte der Chor sich auch über einen finanziellen Reisezuschuss der Stadt freuen. Neben Einzelspendern unterstützte zudem auch die Volksbankstiftung die Tournee im Rahmen einer Crowdfunding-Aktion. Maßgeblich organisatorisch vorbereitet wurde die Reise durch die Präsidentin der Deutsch-Japanischen Gesellschaft zu Hamburg, Frau Eiko Hashimaru-Shigemitsu, die den Chor sogar die ersten Tage persönlich durch Japan begleitete. Die jungen Sänger hatten sich zwar intensiv vorbereitet, doch beim Verständnis von Sprache, Sitten und Gepflogenheiten erwies sich die Begleitung als ungemein wertvoll. Schnell ergaben sich persönliche Begegnungen und die Sänger kamen dem Alltag in Japan sehr nah. So war der Knabenchor in Tokio im ehemaligen Olympiazentrum untergebracht, das heute als Tagungszentrum dient. Tür an Tür mit japanischen Gästen trafen die Jungs im Badehaus ebenso beim Zähneputzen mit Japanern aufeinander wie beim Frühstück in der Kantine.

Einige der jüngsten Sänger hatten sich über das Essen Gedanken gemacht und vorsorglich mehrere Kartons Müsliriegel im Gepäck. Angenehm überrascht waren viele dann, dass neben Reis, Misosuppe und Fisch durchaus auch die japanische Variante von Pommes auf dem Frühstücksplan stand. Bis zum Ende der Reise blieben jedenfalls alle gesund bei Kräften und standen ausnahmslos bei allen Konzerten auf der Bühne, ob beim fast zweistündigen Lieder- und Motettenabend in der Yoyogi Hall in Tokio, beim Gastkonzert im Rathaus von Osaka, beim Schülerbegegnungskonzert auf der Insel Himakajima und beim fulminanten Abschlusskonzert, der Aufführung von Haydns Schöpfung in der Shiarakawa Hall in Nagoya.

Von der Liebenswürdigkeit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Japaner waren die Sänger ebenso begeistert wie von der Schönheit der Schreine und Tempel und der vielen Rituale, die dort vollzogen werden. Viel geboten wurde den Sängern ebenfalls von den Gastgebern, den Stiftungsmitarbeitern der Deutsch-Japanischen Gesellschaft, den Mitarbeitern des Rathauses Osaka sowie den Orchestermusikern aus Nagoya, etwa eine Einweisung ins Origami-Falten, eine Vorführung traditioneller japanischer Musikinstrumente, eine Erklärung der Sitzungsgepflogenheiten im Rathaus oder die sängerische Darbietung durch Oberstufenschülerinnen eines Musikgymnasiums in Osaka. Und überall wurden die Sänger nach ihren Auftritten und Besuchen mit japanischen Köstlichkeiten gestärkt und, sehr typisch für Japan, mit kleinen Geschenken wie Süßigkeiten, Glücksbringern und Ansteckern bedacht.
Eine Herausforderung war, der japanischen Pünktlichkeit immer gerecht zu werden. Schon fünfminütige Verspätungen an vereinbarten Treffpunkten wurden mit Staunen zur Kenntnis genommen, mussten den Gastgebern leider aber immer mal wieder zugemutet werden. Für einen ganzen Tag voller Probe, Sightseeing und abendlichem Konzert schon morgens um neun samt Konzertkleidung alles im Rucksack parat zu haben, war für viele der jungen Sänger dann doch das ein oder andere Mal nicht pünktlich zu schaffen…
Für Aufregung sorgte zum Abschluss der Reise die Nachricht vom aufziehenden Taifun Hagidis, dem der Chor glücklicherweise noch rechtzeitig am späten Abend des 11. Oktober davonfliegen konnte. Glücklich über den erfolgreichen Verlauf und zugleich traurig, weil das große Abenteuer nun vorbei ist, landeten die Jungs und jungen Männer am folgenden Tag auf dem Hamburger Flughafen. Schon jetzt freuen sich alle sehr auf den 28. März 2020, wenn sie ihre Erinnerungen beim Frühjahreskonzert unter dem Titel „Nach(t)klänge – Preziosen der Japantournee 2019“ noch einmal wachrufen und Teile des Reiseprogramms dem Hamburger Publikum präsentieren werden.